Clever und smart – Schönborn/Wenzel feiern in Wales wohldosiert bislang bestes EM-Ergebnis

  • Extrem schnell, extrem knifflig versus extrem clever: Claire Schönborn wird mit gut kalkuliertem Risiko Sechste bei Rali Ceredigion
  • Nah ans Limit, nicht darüber hinaus – Rallye-EM-Lauf in Mittelwales provoziert mit Tempobolzerei bei widriger Witterung viele Zwischen- und Unfälle
  • Bislang beste Platzierung für Schönborn/Wenzel in FIA Rallye-Europameisterschaft (ERC) bei letztem Asphalt-EM-Lauf des Jahres in der Junior-Wertung

Nichts für schwache Neulings-Nerven – doch Claire Schönborn und ihr Beifahrer Michael Wenzel haben genau diese in der kniffligsten Rallye des Jahres behalten. Das Duo aus dem ADAC Opel Rally Junior Team eroberte mit einer sehr abgeklärten und besonnenen Leistung bei der Rallye Vereinigtes Königreich durch Mittelwales Rang sechs. Und damit die bis dato beste Platzierung in der Junior-EM-Wertung bei einem Lauf zur FIA Rallye-Europameisterschaft (ERC). Während zahlreiche konkurrierende Teams den temporeichen Streckenverläufe und kniffligen Witterungsbedingungen mit Zwischen- und Unfällen Tribut zollen mussten, blieben Schönborn/Wenzel bei ihrem Rali-Ceredigion-Debüt fehlerfrei. Der Gesamtsieg in der Junior-Wertung ging an Claire Schönborns Opel-Teamkollegen Timo Schulz/Maresa Lade (GER/GER).

Schwierigkeitstreiber war weniger die Länge als der Charakter der Strecken – schmale, typisch walisische Sträßchen mit Kuppen, blinden Kurven, Mauern und Hecken direkt am Streckenrand, dazu ständig wechselnde Beläge, vom griffigen Neubelag bis zu ausgewaschenen, mit Rollsplitt und Schmutz überzogenen Passagen. Die ohnehin anspruchsvollen Prüfungen waren in der Ausgabe in diesem Jahr noch einmal ein Level härter. Besondere Herausforderung für alle Crews: der Aufschrieb, schnelles Handeln und Denken auf den extrem temporeichen Passagen, die Wetterumschwünge und Witterungsbedingungen sowie ein passendes Fahrzeug-Set-up zu finden. 

„Diese Rallye steht jetzt ganz oben auf meiner Favoriten-Liste. Ein Traum hier zu fahren, auch wenn die Bedingungen und die Herausforderung immens waren. Das Tempo, die Wetterverhältnisse, die vielen Gripwechsel – hier konnte man leicht folgenschwere Fehler begehen. Umso glücklicher bin ich, dass wir ohne Zwischenfälle durchgekommen sind – bei guten Prüfungszeiten. Diese Rallye zu beenden war ein hartes Stück Arbeit – dass Prüfungen vor uns abgebrochen wurden und wir nicht immer zwei Durchgänge hatten, – etwa vor der Powerstage – kam dazu. Ich bin aber mehr als zufrieden, wie wir all das gemeistert haben.“ CLAIRE SCHÖNBORN

Finnland auf Asphalt? Schneller, schmaler, kniffliger!

Der fünfte Lauf der Junior EM innerhalb der FIA Rallye-Europameisterschaft (ERC) führte über 16 Wertungsprüfungen und rund 191 Asphaltkilometer durch Wales. Nach Superspecial und Nachtprüfungen am Freitag folgten am Samstag acht Moorland-Sonderprüfungen östlich von Aberystwyth, ehe der Sonntag mit Gorsgoch und Ty Glyn – letztere als Power Stage – über klassische walisische Landstraßen endete. Schmal und mit blinden Kuppen, Mauern und Hecken sowie ständig wechselnde Beläge wurden die Prüfungen zu einer der härtesten Aufgaben der Saison; einsetzender Regen am Samstagmorgen brachte zusätzliche Würze ins Spiel. Der Vergleich „wie Finnland auf Asphalt“ galt wegen der Sprungkuppen und Tempoabschnitte in vollem Maße, zusätzlich ergänzt durch die walisische Witterung und die vielen Gripwechsel.

Der Gesamtsieg ging an Kris Meeke/Noel O’Sullivan (AND/IRL, Toyota), während Claire Schönborns Fahrercoach Teemu Suninen mit Beifahrer Antti Haapala (FIN/FIN, Škoda) als Zweite kontrolliert dem EM-Titel einfuhr.

In der Junior-EM-Gesamtwertung belegt Claire Schönborn mit 33 Zählern vor dem Finale in Portugal (23.–25. Oktober) in ihrer Debütsaison Rang zehn von 20 eingeschriebenen Crews – obwohl sie einen Lauf weniger bestritten hat.